Muslimische und andere Migrantennetzwerke gewinnen als Partner der Sozialen Arbeit an Bedeutung. Die Zusammenarbeit mit muslimischen Organisationen setzt Wissen über deren Angebote und Aktivitäten voraus. Welche Hilfe bieten die Vereinigungen an? Bei welchen Klienten ist eine Kontaktaufnahme mit muslimischen Vereinigungen sinnvoll? Und wo kann man sich über die einzelnen Organisationen informieren? Der aktuelle Fokus gibt Antworten auf diese und weitere Fragen.
Zusammenarbeit mit muslimischen Netzwerken in der Schweiz
Worauf müssen Sozialarbeitende achten, wenn sie muslimische Netzwerke als Partner in ihre Arbeit einbeziehen wollen? Und wie sehen die sozialen Aktivitäten einer muslimischen Vereinigung konkret aus? Zwei Expertinnen und ein muslimischer Sozialarbeiter geben Auskunft
… weiter zum Artikel «Islam und Soziale Arbeit»
Forschungsprojekt: Stellung der muslimischen Bevölkerung im Kanton Zürich - Teilstudie Sozialhilfe
Der Regierungsrat hat eine Studie über die Stellung der Musliminnen und Muslime im Kanton Zürich ausarbeiten lassen. Darin werden auch die Berührungspunkte zwischen der Sozialhilfe und islamischer Religionsaussübung untersucht.
Die Autorinnen sehen in vier Bereichen Handlungsbedarf:
Link: Die Studie als PDF
Link: Pressetext zur Studie (Der Landbote vom 11.12.08)
Adressen von Organisationen im Kanton Zürich
Islamische Zentren im Kanton Zürich
In der Vereinigung der Islamischen Zentren in Zürich VIOZ sind 44 Religions- und Kulturvereine zusammengeschlossen. Die Liste der Organisationen kann unter www.vioz.ch heruntergeladen werden.
Institutionen im Migrations- und Integrationsbereich
Im Adresseverzeichnis von www.infostelle.ch sind alle wichtigen Institutionen im Migrations- und Integrationsbereich des Kantons Zürich aufgelistet: Das Angebot reicht von Asylorganisationen über Beratungsstellen für Migrantinnen und binationale Paare bis hin zu spezialisierten Fachstellen für interkulturelle Suchtprävention und Taskforces gegen interkulturelle Gewalt.
Sie finden diese Adressen am einfachsten, wenn Sie in unserem Suchassistenten unter «Problembereich» das Stichwort «Migration/Interkulturalität» anwählen.
Was muslimische Vereinigungen leisten
Muslimische Vereinigungen bieten ihren Mitgliedern oft eine breite Palette sozialer Dienstleistungen an:
Wohltätigkeit im Islam
Wohltätigkeit spielt im Islam eine zentrale Rolle. Die Religion kennt drei Arten von Wohltätigkeit, wie die Islamwissenschaftlerin Silvia Martens (Uni Bern) erklärt, die das Thema in ihrer Dissertation untersucht:
Zakat: Die sogenannte Almosensteuer ist eine der fünf Säulen des Islam und somit eine religiöse Pflicht für Muslime. Die Verwendungszwecke werden im Koran Sure 9:60 benannt, wenn auch ein grosser Interpretationsspielraum bleibt. Traditionell wichtig ist besonders die Unterstützung von Waisen und Witwen.
Sadaqat: Freiwillige Spenden. Das können Geldspenden sein, aber auch z.B. praktische Hilfe, ein Lächeln oder jemandem Zeit zu geben.
Awqaf: Fromme Stiftungen. Dabei handelt es sich um gemeinnützige Stiftungen z.B. für einen Brunnen, eine Suppenküche oder ein Krankenhaus oder aber privatnützige Familienstiftungen. Awqaf sind in der Schweiz selten.
Islamische Hilfswerke: Es gibt mehrere islamische Hilfswerke, über die Gläubige spenden und Almosen geben können, am bekanntesten in der Schweiz sind Islamic Relief und Muslime helfen.
Muslime in der Schweiz
Laut eidgenössischer Volkszählung 2000 leben in der Schweiz rund 311'000 Muslime, das sind umgerechnet 4,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Sie bilden keine einheitliche Gruppe, weder ethnisch, noch kulturell oder konfessionell. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund: 56% stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien (Kosovo-Albaner und Bosnier), 20 % stammen aus der Türkei, 4% aus den Maghreb-Staaten, 3 % aus dem Libanon, 15 % aus Schwarzafrika und Asien. Ca. 40.000 Muslime sind schweizerischer Nationalität (infolge Einbürgerungen, Heirat oder Konversion). Die Mehrheit der Schweizer Muslime ist sunnitisch (75 %). Zudem leben in der Schweiz ca. 12.000 Schiiten und 10-15 % Aleviten. Die Schweizer Muslime sind in ca. 120 bis 160 kulturellen und volksgruppenbezogenen Vereinen organisiert, mit nach wie vor starker Verbindung zum jeweiligen Heimat- und Ursprungsland.
Die Vereine sind in verschiedenen Schweizer Dachorganisationen zusammengeschlossen. Die beiden grössten Dachorganisationen sind die Koordinationsstelle Islamischer Organisationen der Schweiz (KIOS) und die Föderation islamischer Dachverbände Schweiz (Fids).
Ebenfalls sehr aktiv sind die Vereinigung Muslime, Musliminnen Schweiz, die die Website www.islam.ch führt, und das Forum für einen fortschrittlichen Islam.
Link: Studie der Eidgenössischen Kommission für Ausländerfragen EKA «Muslime in der Schweiz»
Link: Laufende Studien im Rahmen des Nationalen Forschungsprojekts NFP 58
Link: www.religionenschweiz.ch
Ausgewählte Presseartikel
«Muslimen mehr Fragen stellen»
Der Theologe Andreas Maurer pflegt den Dialog mit Muslimen in der Schweiz seit Jahren. Er wünscht sich von beiden Seiten mehr Interesse am Gegenüber und klarere Vorgaben über geltende Normen.
Pressetext (Zürcher Unterländer vom 18.10.08)
Zugänge zu einem friedlichen Islam
Die Vereinigung Muslime, Musliminnen Schweiz und die britische Organisation Communities in Action haben junge Muslime aus ganz Europa in die Schweiz eingeladen. In einem einwöchigen Kurs sollen sie Grundlagen der Mediation und der Dialogförderung lernen, um die Integrationsprozesse in ihren Gemeinden voranzutreiben.
Pressetext (NZZ vom 28. Juli 2008)
Wozu Minarette errichtet werden
Der Bundesrat hat die Initiative für ein Verbot des Baus von Minaretten zur Ablehnung empfohlen. Nach der Beratung im Parlament könnte die Volksabstimmung nächstes Jahr stattfinden. Gegner führen die Religionsfreiheit an, Befürworter interpretieren das Minarett als Machtsymbol. Historisch geht das Minarett indes auf Leuchttürme für Karawanen und Gebetsplattformen zurück – und auf das Bild der christlichen Kreuze.
Pressetext (NZZ vom 2. September 2008)
Kopftuch - ein Symbol der Unterdrückung?
Im Koran gibt es verschiedene Stellen, an denen die Frau dem Mann gleichgestellt ist. Beispielsweise steht: Der Mensch wurde als Paar erschaffen, das heisst als Mann und Frau. Beide haben gemeinsam die verbotene Frucht gegessen. Die Frau verführt den Mann nicht zur Sünde wie in der Bibel. Warum hält sich in der westlichen Welt die Vorstellung so hartnäckig, dass das Christentum befreiend, der Islam aber unterdrückend ist?
Radiotipp: Perspektiven vom 26. Oktober 2008
Literaturtipps
Studie zur Stellung der muslimischen Bevölkerung im Kanton Zürich
Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich hat 2008 im Auftrag des Regierungsrates die Situation von Muslimen in Zürich untersucht. Eine Teilstudie befasst sich mit dem Bereich Sozialhife.
Link: Zur Studie
«Blätter der Wohlfahrtspflege»,
Die deutsche Zeitschrift für Soziale Arbeit, hat im Juli/August 2008 ein Themenheft «Islam. Kritische Kooperation erwünscht: Muslimische Vereine als Partner in der Sozialen Arbeit» herausgegeben.
Link: Blätter der Deutschen Wohlfahrtspflege
Islamisches Gemeindeleben in Berlin
Die Broschüre präsentiert die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2006 zu islamischen Gemeinden in Berlin. Untersucht wurden unter anderem die Kommunikation zwischen Moscheevereinen und Verwaltung und die Perspektiven islamischer Vereine auf Jugendarbeit.
Link: Die Studie als PDF.
Philipp Dreyer: Allahs Kinder sprechen Schweizerdeutsch.
23 Portraits von muslimischen Jugendlichen. Zürich: Orell Füssli Verlag 2001. ISBN 978-3-280-02674-8
Das Buch ist vergriffen. Ausleihe über den NEBIS-Bibliothekskatalog.
