Forschung und Soziale Arbeit

 

Forschung in der Sozialen Arbeit


Forschung gewinnt in der Sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung. Seit der Einführung des Fachhochschulgesetzes 1996 haben die Fachhochschulen die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung kontinuierlich ausgebaut. Heute wird an den Universitäten und an den Fachhochschulen zu einem breiten Spektrum von Fragen geforscht, das von Sucht über Migration und Alter bis hin zu Sozialmanagement reicht. Auch einige private Forschungsbüros verfassen sozialpolitische Studien. Forschende aus verschiedenen Institutionen haben sich vor zwei Jahren zur Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit SGSA zusammengeschlossen, die im März einen Kongress zum Thema «Transformation des Sozialen – wohin entwickelt sich die Soziale Arbeit?» durchführte.


Praktikerinnen und Praktiker stehen dieser Entwicklung oftmals skeptisch gegenüber. Sie bezweifeln den Nutzen der als zu theorielastig empfundenen Forschung für ihre alltägliche Arbeit. Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit ist aber gerade der Austausch zwischen Theoretikerinnen und Praktikern zentral. Forschende sind auf den Dialog mit der Praxis angewiesen, um relevante Forschungsfragen zu entwickeln. Und in einer sich wandelnden Gesellschaft ist es auch für die Praktikerinnen und Praktiker wichtig, neue Erkenntnisse in die Arbeit einzubauen. 


Der aktuelle Fokus möchte deshalb dazu einladen, die Forschungslandschaft Soziale Arbeit Schweiz besser kennenzulernen.




Das Interview: 

«Forschung betreibt ihr Geschäft nicht ausserhalb der Praxis»


Interview mit Annegret Wigger,

Co-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit SGSA und Leiterin der Abteilung Forschung des Institutes für Soziale Arbeit der FHSG.


Infostelle: Der erste Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit SGSA trug den Titel «Transformation des Sozialen – wohin entwickelt sich die Soziale Arbeit?». Welche Überlegungen standen hinter dieser Themenwahl?

Annegret Wigger: Einerseits ging es uns darum, den Stellenwert der Sozialen Arbeit im Kontext aktueller sozialpolitischer Entwicklungen zu thematisieren. Andererseits sollte das breit angelegte Thema Teilnehmende aus ganz verschiedenen Arbeitsfeldern ansprechen. Schliesslich interessierte uns, wie unterschiedliche Praxen Sozialer Arbeit den sozialpolitischen Diskurs mitgestalten.


Ein wichtiges Thema des Kongresses war die Frage nach der Rolle der Forschung in der Sozialen Arbeit. Wie würden Sie diese Rolle definieren? Welchen Beitrag kann und soll die Forschung in der Sozialen Arbeit leisten?

Der Kongress hat erfreulicherweise gezeigt, dass in der Schweiz vielfältige Forschungsprojekte zu Themen der Sozialen Arbeit bearbeitet werden. Dabei hat Forschung den Auftrag, generalisiertes Wissen zur Verfügung zu stellen. Dieses Wissen trägt in verschiedenen Kontexten – nämlich sowohl in der Theoriebildung als auch in der Praxis – zur Entwicklung der Sozialen Arbeit als Profession und Disziplin bei. Die Generierung von Wissen ist jedoch nicht einseitig Angelegenheit der Forschung. Sie kann in der Regel nur im Zusammenspiel von Praxis und Theorie geleistet werden.

Erkenntnisse aus der Forschung können zudem in politischen Debatten einfliessen und so dazu beitragen, dass die Diskussionen über die Soziale Arbeit wieder versachlicht werden.


Wissenschaftliche Gesellschaften haben den Ruf, abgehobene Akademikerclubs zu sein. Wie stellt die SGSA den Bezug zu den Praktikerinnen und Praktikern her?

Die SGSA ist überzeugt, dass die Anerkennung als wissenschaftliche Gesellschaft dazu beiträgt, die Forschung der Sozialen Arbeit in Bildungs- und Praxisorganisationen zu stärken. In diesem Sinn verstehen wir uns als eine Gesellschaft, die zu einer fachlich abgestützten Positionierung der Sozialen Arbeit in verschiedenen sozialpolitischen Kontexten beiträgt. Forschung betreibt ihr Geschäft nicht ausserhalb von Praxis. Der Dialog mit den Praktikerinnen und Praktikern ist vielmehr Basis für die Skizzierung von Forschungsfragen und für die Einschätzung des Stellenwerts wissenschaftlichen Wissens für die Praxis. Daher ist unsere Gesellschaft sehr interessiert an Praktikerinnen und Praktikern, die als Mitglieder den Dialog zwischen Forschung und Praxis stärken möchten.


Interview: Stefanie Arnold



 

Die Schweizerische Gesellschaft für Soziale Arbeit (SGSA)


Im Januar 2006 wurde die Schweizerische Gesellschaft für Soziale Arbeit SGSA gegründet. Als wissenschaftliche Gesellschaft hat sie zum Ziel, Soziale Arbeit als Wissenschaft weiter zu entwickeln und die Forschenden untereinander zu vernetzen. Die SGSA ist Herausgeberin der «Schweizerischen Zeitschrift für Soziale Arbeit» und Organisatorin des internationalen Kongresses «Transformation des Sozialen – wohin entwickelt sich die Soziale Arbeit?».


Link: www.sgsa-ssts.ch



 
Der Kongress: «Transformation des Sozialen - Wohin entwickelt sich die Soziale Arbeit»

Welche Konsequenzen hat der gesellschaftliche Wandel für die Soziale Arbeit? Und wohin bewegen sich die Soziale Arbeit und der Sozialstaat? Diese Fragen standen im Zentrum des Kongresses, der vom 6. Bis 8. März in der Hochschule Luzern stattfand. Die Themen und Referate und Workshops spiegelten die interdisziplinäre Forschungslandschaft der Sozialen Arbeit in ihrer ganzen Breite: Neue Arbeitsfelder wie Schulsozialarbeit kamen genauso zur Sprache wie das Rollenverständnis von Sozialarbeitenden oder die sozialpolitische Wende zum «aktivierenden Sozialstaat».

Weitere Informationen zum Kongress finden Sie auf der Seite der SGSA

Link: www.sgsa-ssts.ch/kongress2008.ch/index.htm




Referate und Berichte über die Tagung

Die Zeitschrift SozialAktuell widmet den Schwerpunkt der Mai-Ausgabe 2008 dem Kongress. Folgende Dateien stehen als pdf zum Download bereit:


- Der ganze Schwerpunktteil mit allen 12 Artikeln


Einzelartikel Anna Maria Riedi: «Jenseits von Milieu und Migration. Integrationsarbeit mit marginalisierten Jugendlichen»


- Einzelartikel Heinrich Zwicky: «Die Eigenlogik der IV übersieht oft die Realität der Betroffenen. Die Invalidenversicherung braucht eine Grundlegende institutionelle Neuausrichtung»




 

Die Luzerner Erklärung


Der Kongress «Transformation des Sozialen - Wohin entwickelt sich die Soziale Arbeit» wurde mit einer politischen Erklärung beendet. Die Luzerner Erklärung kann auf der Seite der SGSA gelesen und unterschrieben werden.


Link: http://www.sgsa-ssts.ch/SGSA_SSTS/index_agend.htm.




Sozialwissenschaftliche Studien in den Medien

Wenn ein sozialpolitisches Thema in den Medien behandelt wird, sind schnell auch wissenschaftliche Studien zur Hand. Medienschaffende und Politikerinnen verlangen nach fundiertem Expertenwissen, um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären. Oft sind die Ergebnisse der zitierten Studien aber widersprüchlich. Dies zeigt die Debatte zum Thema Jugendgewalt.


Gewalttätige Jugendliche und widersprüchliche Studien (Pressetext)




Forschung an der ZHAW, Departement Soziale Arbeit


Die neuesten Referate und Forschungsberichte aus der Abteilung Forschung und Entwicklung der ZHAW, Departement Soziale Arbeit können unter dem Menüpunkt Fachwissen / ZHAW abgerufen werden.


Forschungsschwerpunkte:

- Kindheit, Jugend und Familienformen

- Alter

- Gewalt und Dissozialität

- Gemeinwesenentwicklung

- Sozialmanagement


Link: www.sozialearbeit.zhaw.ch/de/sozialearbeit/forschung.html




Sozialarbeitsforschung an anderen Schweizer Fachhochschulen und Universitäten


- Berner Fachhochschule BFH, Soziale Arbeit

- Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Soziale Arbeit

- Fachhochschule Ostschweiz, Institut für Soziale Arbeit

- Haute école fribourgeoise de travail social HEF-TS

- Haute école de travail social de Genève HETS

- Haute école du travail social et de la santé – Vaud EESP

- Hochschule Luzern, Soziale Arbeit

- Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana, Dipartimento Scienze Aziendali e Sociali

- Universität Freiburg, Departement du travail social et politiques sociales

 


 

Literatur:


Schweizerische Zeitschrift für Soziale Arbeit

Die Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit.


SozialAktuell

Die Zeitschrift für Soziale Arbeit des Berufsverbandes Avenir Social widmet der Konferenz in der Nummer 05/08 ein Schwerpunktheft (erscheint anfangs Mai 2008).


SIDOS Forschungsinventar

Der Schweizerische Informations- und Datenarchivdienst für die Sozialwissenschaften SIDOS sammelt und veröffentlicht Informationen über die aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung in der Schweiz. Das Forschungsinventar umfasst über 7000 Beschreibungen laufender oder abgeschlossener Forschungsprojekte und wird regelmässig aktualisiert.

Link: http://www.sidos.ch/research/default.asp?lang=d.


Online-Artikel

Wendt, W. R.: In Sozialer Arbeit forschen und für Soziale Arbeit forschen: Überlegungen zu Gegenstand und Methodik.

Link: www.notkerschneider.de/saw/wendt_Forschen.pdf



Weitere Publikationen finden Sie in der rechten Spalte und in unserem Buchshop.


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