Zuletzt besuchte Seiten
AUSSTELLUNG

Verdingkinder reden
Fremdplatzierung damals und heute
Die Ausstellung, die seit Frühling 2009 in verschiedenen Orten der Schweiz zu sehen ist, kann nun auch in Zürich vom 8. November 2011 bis 1. April 2012 im Schulhaus Kern besichtigt werden. Ziel der Ausstellung ist es, Betroffene zu Wort kommen zu lassen, eine Plattform für Fragen und Diskussionen über die heutige Praxis zu bieten, sowie Brücken zu schlagen von der Geschichte zur Zukunft der ausserfamiliären Erziehung, und nicht zuletzt ein Kapitel der Schweizer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren.
Der regionale Ausstellungsteil in Zürich widmet sich der heutigen Praxis der Fremdplatzierung und dem Recht der Kinder auf Mitwirkung, wenn es um ihre Lebenssituation geht. Fast alle ehemaligen Verdingkinder erzählen, dass sie nie nach ihrer Meinung gefragt wurden, wenn man sie an einen neuen Pflegeort umplatzierten. Das Recht auf Mitbestimmung ist ein wichtiges Anliegen der UNO-Konvention über die Rechte der Kinder von 1989. Die Schweiz hat diese Konvention zusammen mit 192 weiteren Staaten unterzeichnet und sich damit zu deren Anwendung verpflichtet. Artikel 12 nennt „das Recht des Kindes, seine Meinung zu allen seine Person betreffenden Fragen oder Verfahren zu äussern und gewiss zu sein, dass diese Meinung auch mitberücksichtigt wird.“
Bei der Umsetzung in der Praxis hapert es allerdings. Fachverbände, Vereine und Institutionen, die sich für Kinderrechte einsetzen, kritisieren, dass die Partizipation, das Recht auf Beteiligung, oft nicht genügend ernst genommen wird. Das regionale Fenster bietet Stoff für diese Diskussion. Beteiligt an diesem regionalen Ausstellungsteil haben sich das Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich www.ajb.zh.ch, die Fachstelle Pflegekinder der Sozialen Dienste der Stadt Zürich www.stadt-zuerich.ch/pflegekinder, Mega!phon (Kinder- und Jugendpartizipation der Sozialen Dienste der Stadt Zürich) www.stadt-zuerich.ch/megaphon, Integras (Fachverband für Sozial- und Sonderpädagogik) www.integras.ch, die Pflegekinder-Aktion Zürich www.pazh.ch und das Marie Meierhofer Institut für das Kind www.mmizuerich.ch.
FILM

Der Verdingbub
Der Film von Markus Imboden erzählt auf eindrückliche und berührende Weise das Schicksal des Verdingbuben Max. Es ist die Geschichte aus einer noch nicht so lange vergangenen Zeit, in der ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung von Armut betroffen war und das Verdingen von Kindern als geeignetes Mittel zur Armutsbekämpfung und Existenzsicherung angesehen wurde.
Die Website enthält, neben Informationen zum Film, ein Forum sowie umfangreiches Schulmaterial.
PUBLIKATIONEN
Martin, Edi (2011). Ethisch handeln in der Sozialen Arbeit – eine Operationalisierung. In Hans Walz, Irmgard Teske & Edi Martin (Hrsg.), Menschenrechtsorientiert wahrnehmen – beurteilen – handeln. Ein Lese- und Arbeitsbuch für Studierende, Lehrende und Professionelle der Sozialen Arbeit (S. 145 - 196). Luzern: interact.
Der Autor geht in seinem Artikel anhand der Geschichte der Verdingkinder in der Schweiz der Frage nach, inwieweit die Soziale Arbeit an der Verwirklichung der Menschenrechte mitwirken kann. Er zeigt auf, welchen Stellenwert moralische Sachverhalte haben und wie Fachleute bei ihrer Arbeit gefordert sind, Interventionen entsprechend zu begründen. Anstelle von Alltagswissen, Mehrheitsmeinungen oder gar Vorurteilen sollen Sozialarbeitende sich auf wissenschaftliches und damit überprüf- und korrigierbares Wissen stützen. Auch Werte können orts- und zeitabhängig sein, weshalb es wichtig ist, sich von universellen Werten, wie sie in internationalen Dokumenten zum Menschenrechtsschutz verfasst werden, zu orientieren.
Edi Martin, Ethisch handeln in der Sozialen Arbeit – eine Operationalisierung
Rezension zum Buch von Michael Herzka
Felder, Katharina (2009). Partizipation von Kindern und Jugendlichen am Indikationsprozess zur Fremdplatzierung. Mastherthesis. Winterthur: ZHAW Soziale Arbeit
In der Schweiz können viele Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen. Sie leben aufgrund behördlicher Interventionen oder auf freiwilliger Basis in verschiedenen Formen ausserfamiliärer Betreuung. Der Entscheid, dass es eine ausserfamiliäre Betreuung braucht, wird von Fachleuten oft ohne den Einbezug der betroffenen Kinder und Jugendlichen – und manchmal sogar mit nur geringem Einbezug der Sorgeberechtigten – gefällt. Dabei werden die unterschiedlichen Gefühle und Einstellungen gegenüber der geplanten Massnahme ausser Acht gelassen.
In der vorliegenden Arbeit widmet sich die Autorin der Fragestellung, ob und wie Kinder und Jugendliche sich am Indikationsprozess zur Fremdplatzierung beteiligen können. Welche Möglichkeiten haben sie, ihre Wünsche und Interessen in den Prozess einzubringen, der für ihr Leben und ihre Zukunft so entscheidend ist?
Literaturliste der Pro Senectute
LINKS
Verein „Netzwerk verdingt“
Der Verein „Netzwerk verdingt“ wurde am 3.7.2008 in Bern von ehemaligen Verdingkindern gegründet. Der Verein ist politisch und konfessionell neutral. Wichtige Ziele und Arbeitsfelder sind der Erfahrungsaustausch unter Betroffenen, die Erforschung und Aufarbeitung der meist unrühmlichen Geschichte vieler Verding-, Heim- und Pflegekinder, Beistand für Ratsuchende, der Aufbau einer Fachbibliothek/Mediathek, sowie Öffentlichkeitsarbeit.
Wissenschaftliche Aufarbeitung
Die „Aktionsgemeinschaft Verdingkinder.ch“ hat sich zum Ziel gesetzt, dieses noch kaum berücksichtigte Stück Schweizer Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dies beinhaltet sowohl die Sicht der Betroffenen - der ehemaligen Verdingkinder - als auch die Sicht der Entscheidungsträger - der Behörden und der Eltern.
Historische Aufarbeitung
Die Dokumentation und gesellschaftliche Wahrnehmung des in der Vergangenheit geschehenen Unrechts und seiner Hintergründe ist auch ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung solcher Gewalt gegen Kinder in Gegenwart und Zukunft. Das von der Guido Fluri-Stiftung unterstützte Projekt hat das Ziel, die Geschichte der schweizerischen Kinderheime aufzuarbeiten. Neben Archivstudien und Literaturrecherchen steht vor allem die Dokumentation der Stimmen von Betroffenen im Vordergrund des Projekts. Es nimmt Aussagen der ehemaligen Heimkinder auf und unterstützt sie bei der Suche nach ihren Akten. Mit ausführlicher Literaturliste.
Dossier Beobachter zu den Themen „Verdingkinder“ und „Administrativ Versorgte“
www.infostelle.ch/de/fokus/archiv/pflegekinder.html
erschienen im St. Galler Tagblatt vom 2. November 2011
«Düstere Geheimnisse aus dem Emmental» erschienen in der Aargauer Zeitung vom 3. November 2011
«Und niemand hat eingegriffen»
erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. November 2011
«Vom Umgang mit den Schwächsten»
erschienen in der Zeitschrift SozialAktuell Nr. 11, November 2011
«Heimkinder als Projektionsfläche»
erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 23. November 2011
|
Zum Archiv: |
