Best-Practice im öffentlichen Raum. Management des öffentlichen Raums – Gesammelte Erfahrungen der Städte

Rezension

Buchcover


Der Nutzungsdruck auf den öffentlichen Raum hat in den letzten Jahren zugenommen. Insbesondere im urbanen Raum treffen die unterschiedlichsten Interessen aufeinander und sorgen für Reibung oder gar Kollisionen. Die Städte sind gefordert. Sie setzen sich vermehrt mit der Formulierung von Regelungen für Veranstaltungen und Möblierungen im öffentlichen Raum auseinander und gleisen Massnahmen auf, um die negativen Auswirkungen von geplanten und spontanen Events zu bekämpfen. Zu dieser Thematik werden im vorliegenden Sammelwerk Erfahrungen, Strategien, Lösungsansätze und Regelungen aus sechs Schweizer Grossstädten zusammengetragen und Parallelen zwischen den einzelnen Best-Practices aufgezeigt.


Zielgruppe

Die Publikation richtet sich an öffentliche und private VerantwortungsträgerInnen und Fachleute in den Bereichen Eventmanagement, Stadtmarketing, Soziokultur, Politik, Aussenraumgestaltung, Architektur und Kunst sowie an WissenschafterInnen, die mit Stadtplanung und -entwicklung befasst sind.


Abstract

Die Studie baut auf dem von der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit durchgeführten Forschungsprojekt «Nutzungsmanagement im öffentlichen Raum» auf, welches in Zusammenarbeit mit den Städten Basel, Luzern, Schaffhausen, St. Gallen, Winterthur und Zürich erarbeitet wurde. Erklärtes Ziel der Projektgruppe ist es, Erkenntnisse für einen neuen Umgang mit dem öffentlichen Raum zu gewinnen, die diesbezügliche Kooperation zwischen den Städten zu fördern und nicht zuletzt ein Instrumentarium für das Management des öffentlichen Raums zu erarbeiten.


Im 82-seitigen Sammelwerk werden 37 Best-Practices zum Thema «Management des öffentlichen Raums» aus den oben erwähnten sechs Deutschschweizer Grossstädten vorgestellt. Ein einheitliches Frageraster (in Form von «Massnahmenblättern») strukturiert die einzelnen Beiträge und erleichtert den Vergleich von Regelungen, Vorgehensweisen und Erfahrungen der Städte in Bezug auf eine spezifische Problematik. In jedem Beispiel werden die thematisierten Massnahmen und deren Ziele kurz umrissen, die möglichen AnwenderInnen sowie die Zielpublika aufgelistet und am Ende die vergleichbaren Best-Practices anderer Städte, die verfügbaren Online-Dokumente sowie die Ansprechpersonen erwähnt. Die Fragen zur Finanzierung und Evaluation bleiben in den meisten Beispielen unbeantwortet.


Die Beiträge werden sechs Kapiteln zugeordnet, deren Abgrenzung sich jedoch als schwierig erweist, zumal die Städte die Beispiele sowie die Themen-Zuordnung selbst ausgewählt haben. Diese Problematik erwähnt der Verfasser bereits in der Einleitung zur Studie.


Das 1. Kapitel widmet sich den «Strategien» und stellt vier aktuelle Best-Pratices der Stadt Zürich vor. Allen Beispielen übergeordnet ist die Strategie «Stadträume 2010», welche sich in erster Linie mit Gestaltungsfragen befasst während sich die 2002 erarbeitete "Quartierverträglichkeitsstrategie" und die darauf aufbauende «Veranstaltungsstrategie» auf den zur Verfügung gestellten öffentlichen Raum konzentrieren. Die Evaluation letzterer zeigt auf, dass der Interessenkonflikt zwischen dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung und den Ansprüchen von Veranstaltern noch nicht befriedigend gelöst werden konnte. Insbesondere Grossveranstaltungen können je nach Platzierung die Attraktivität eines Quartiers erhöhen oder die Wohnqualität verschlechtern. Dies die Schlussforderung der beiden in der Studie erwähnten Bevölkerungsbefragungen. Als Schwerpunkte der Strategien werden entsprechend nicht nur die Qualität der Veranstaltungen und deren Verlagerung in so genannte Entwicklungsquartiere anvisiert sondern vermehrt auch die Koordination der Grossanlässe mit Agglomerationsgemeinden und benachbarten Städten. Die vierte Strategie "Delegation für stadträumliche Fragen" definiert das Gremium für stadträumliche Belange und deren Entscheidungsbefugnisse.


Das 2. Kapitel wird mit «Koordination» betitelt. Es werden Modelle der Städte Winterthur, St. Gallen, Luzern und Zürich dargestellt. Interdepartementale Gruppen werden beispielsweise eingesetzt, um die komplexe Problematik der Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum koordiniert anzugehen (Winterthur, Luzern, Zürich) und in St. Gallen wurde eine Aufbauorganisation "Öffentlicher Raum" mit einem dem Stadtrat direkt unterstelltem Steuerungsausschuss ins Leben gerufen um eine konzertiertes Management des öffentlichen Raums zu gewährleisten.

Das 3. Kapitel «Bewilligungen» umfasst neun Beiträge, die sich auf Veranstaltungen (Zürich, Luzern, Basel), die Möblierung der Boulvardgastronomie (Basel, Zürich) und auf weitere Angebote Privater im öffentlichen Raum beziehen, wie beispielsweise Strassenmusik (St. Gallen) und Nachtbetriebe (Schaffhausen).


Im 4. Kapitel «Normen und Regeln» sind sechs Best-Practices zu unterschiedlichen Themen dargestellt: Winterthur schlägt Richtlinien zur Erhöhung der Sicherheit vor, Basel ein Mehrwegsystem für Getränke- und Food-Verpackungen, St. Gallen verfügt über Richtlinien zur Kleinplakatierung mit einem Verweis auf das Gesamtplakatierungskonzept von Basel-Stadt, Luzern hat ein Abkommen mit Take-aways eingeführt, Schaffhausen eine Aktion für Alkoholtestkäufe und Winterthur eine Parkaufsicht durch private Sicherheitsdienste.


Kapitel 5 stellt unter dem Titel «Steuerung durch Gestaltung» sechs Beiträge vor, die die Gestaltung des öffentlichen Raums in spezifischen Stadtgebieten beleuchten wie das Kammgarn in Schaffhausen, der Park in Winterthur, die Werdinsel in Zürich, die Ufschötti in Luzern, das Rheinufer und die Claramatte in Basel.


Kapitel 6 widmen sich dem Thema «Steuerung durch Einbezug»: Die Beiträge dokumentieren partizipative Problemlösungsmethoden, mit welchen versucht wird, Konflikte im öffentlichen Raum zu meistern. So wurden in Luzern Mediationseinsätze, ein Runder Tisch oder andere Gesprächsformen mit NutzerInnen-Gruppen organisiert. In St. Gallen sorgt das "Dreiecksmodell" für einen regelmässigen Austausch zwischen Polizei, Randständigen und der Stiftung Suchthilfe während Basel das angelsächsische Modell «Community Policing» erprobt um eine niederschwellige Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Polizei zu etablieren. Nicht zuletzt wird das in einigen Städten standardisierte Modell der SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) erwähnt.


Empfehlung

Die vorliegende Publikation bietet erstmals einen Überblick über die mannigfachen Bemühungen der Deutschschweizer Grossstädte, Massnahmen gegen die wachsenden Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum zu entwickeln und ein sinnvolles, integrales Management aufzubauen. Eine interessante Palette unterschiedlicher Konzepte, Methoden und Modelle der interdepartementalen und fachübergreifenden Zusammenarbeit ist so zusammengekommen. Ein Sammelwerk, das den Wissensaustausch weit über die beteiligten sechs Städte hinaus anregt. Dem Verfasser ist es zudem gelungen, die eher trockene Materie mit attraktivem Bildmaterial zum Thema aufzulockern und mit gestalterischen Mitteln zu strukturieren. Hilfreich erweisen sich zudem die Verweise auf Online-Dokumente und Ansprechstellen.


In den meisten Beiträgen werden die aufgegleisten Massnahmen detailliert beschrieben und mit Statistiken, Organigrammen und Berichten ergänzt. Einige Beispiele - insbesondere im letzten Kapitel - sind jedoch wenig informativ und unvollständig. So fehlen unter anderen gerade bei diesen Beispielen die Seite

Angaben zu Online-Dokumenten und Ansprechstellen. Ein Vergleich von Methoden und ihrer Wirkungen an verschiedenen Orten - wie es vom Verfasser angestrebt wird - ist somit nicht immer möglich. In der Einführung wird erwähnt, dass die Städte ihre Best-Practices selbst ausgewählt haben. Für eine Publikation, die über das eigentliche Forschungsprojekt hinaus weitere Leserkreise erreichen will, wäre eine engere redaktionelle Zusammenarbeit mit den Zuständigen der Städte bestimmt vorteilhaft gewesen, um die erwähnten Lücken schliessen zu können.


Informativer und überzeugender sind die Best-Practices zur Regelung von Veranstaltungen oder zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Sauberkeit, ferner die Massnahmen gegen (Sekundär-) Lärm sowie die diversen Richtlinien für die Boulevard-Gastronomie. Hier reflektieren die Querverweise einen regen Austausch der am Projekt beteiligten Städte. Dieser Austausch könnte – beispielsweise auf der von der Projektgruppe skizzierten webbasierten



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Bibliografische Angaben

Autor/in Buch Thomas Steiner (Hrsg.)
Autor/in Rezension Roberta Weiss
Verlag interact
Ort Luzern
Erscheinungsjahr 2009
Seitenzahl 82
ISBN-Nr. 978-3-906413-64-8

© 2006 ZAHW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Soziale Arbeit | Disclaimer

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Die Rezensentin

Roberta Weiss-Mariani, lic. phil. I, ist Sprach- und Literatur- wissenschafterin, Kunstvermittlerin und Leiterin des Gemeinschaftszentrums Zürich-Wollishofen. Weiterbildung in Gemeinwesen- und Stadtentwicklung.


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Der Herausgeber

Thomas Steiner, Projektleiter am Kompetenzzentrum Regional- und Stadtentwicklung der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit. Ausbildung als Bauingenieur, Nachdiplomstudium in Gemeinde-, Regional- und Stadtentwicklung.


Die Publikation ist Teil des KTI -Projekts «Nutzungsmanagement im öffentlichen Raum» an dem Prof. Emanuel Müller (Projektleiter), Barbara Emmenegger, Monika Litscher und Flavia Caviezel mitgearbeitet haben.


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