Kinder in unterschiedlichen Familienformen

Wie lebt es sich im egalitren, wie im traditionellen Modell?

Portrait Anna Maria Riedi


Die in der Familie gemachten Erfahrungen sind entscheidend fr die Herausbildung der persnlichen Identitt, des Geschlechtsrollenverstndnisses und der Handlungskompetenz. Welchen Stellenwert haben unterschiedliche Familien- und Haushaltformen in diesem komplexen Prozess? Ist das von den Eltern praktizierte Rollenmodell von Bedeutung fr die kindliche Sozialisation? Wie wird es von den Kindern wahrgenommen und beurteilt? Ist es von Einfluss, wie prsent Vater und Mutter im Familienalltag sind? Und welche Auswirkungen hat die Rollenteilung der Eltern auf das Geschlechtsrollenverstndnis und die Zukunftsorientierung von Kindern und Jugendlichen?
In einer im 2005 abgeschlossenen Studie des NFP 52 Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen wurden 70 Kinder hinsichtlich des in ihrem Haushalt praktizierten Rollenmodells und der Beziehung zu ihren Eltern befragt. 38 der befragten Kinder stammen aus Haushalten mit egalitrer Rollenteilung, d.h. ihre Vter und Mtter teilen sich die Verantwortung fr Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt. 32 Kinder leben in traditionell strukturierten Familien, in denen der Vater die Ernhrerrolle innehat, whrend die Mutter sich auf die Familienarbeit konzentriert.
Die Ergebnisse zeigen, dass elterliche Rollenteilungsmuster die Eltern-Kind-Beziehung effektiv prgen. Die Vater-Kind-Beziehung ist in den egalitren Familien ausgeprgter als in den traditionellen. Umgekehrt ist in den traditionellen Familien die Beziehung zur Mutter viel enger geknpft als jene zum Vater.
Das egalitre Rollenmodell bietet dank der beiderseitigen Prsenz der Eltern den Kindern vielfltige Identifikationsmglichkeiten. Weil Mutter wie Vater im Berufs- und Familienalltag engagiert sind, nehmen die egalitren Kinder ihre Eltern weniger stark in einer einzigen Rolle wahr. Ihre Persnlichkeit erscheint den Kindern vielfltiger und facettenreicher als den Kindern aus traditionellen Haushalten. Fr die Mdchen und Frauen aus egalitren Familien scheint das partnerschaftliche Modell besonders gewinnbringend zu sein. Sie sind in ihrem Denken und Handeln am wenigsten geschlechtsrollentypisch geprgt und scheinen sehr von der engen Beziehung zum Vater zu profitieren. Bei den Jungen und Mnnern aus egalitren Familien kommt dies weniger stark zum Ausdruck. In den traditionellen Familien erscheinen vor allem die Jungen und Mnner stark geschlechtsrollentypisch geprgt. Die Mdchen und Frauen aus traditionellen Familien wirken ambivalent: Sie mchten spter Beruf und Familie verbinden, sind aber gleichzeitig in ihrer traditionell geprgten Vorstellungswelt gefangen.

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Bibliografische Angaben

Autor/in Buch Margret Brgisser, Diana Baumgarten
Autor/in Rezension Anna Maria Riedi
Verlag Regger Verlag
Ort Zrich
Erscheinungsjahr 2006
Seitenzahl 160
ISBN-Nr. 978-3-7253-0855-2