Im Fokus: Supervision, Mediation und Coaching

 

MAS Supervision/Coaching/Mediation

Interview mit Heidi Marti-Lienhard und Jeremy Hellmann

 
Das Nachdiplomstudium «Supervision, Coaching und Mediation» an der Hochschule für Soziale Arbeit Zürich wurde 2007 neu gestaltet. Der Studiengang gliedert sich in drei Teile: das Kernstudium, das Wahlmodul und das Mastermodul. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie hier.
 
Studienleitung
 
Jeremy Hellmann, Pädagoge lic. phil.; Supervisor BSO; Coach BSO; Organisationsberater BSO; Dozent HSSAZ und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Marie Meierhofer-Institut für das Kind, Zürich; Mitglied der berufspolitischen Kommission des BSO.

Heidi Marti-Lienhard, dipl. Sozialarbeiterin FH; Supervisorin BSO; Coach BSO; Organisationsberaterin BSO; eigene Beratungspraxis, Basel.
 
www.infostelle.ch hat die Neugestaltung des Nachdiplomstudiums zum Anlass genommen, den beiden einige Fragen zu stellen.




Interview: Peter Fluri, Januar 2007


 

Frau Marti, Herr Hellmann, was wurde mit der neuen Struktur beabsichtigt?

Da kommen mehrere Aspekte zusammen: mehr Zeit, Freiraum und Unterstützung. Die Ausdehnung des zeitlichen Rahmens hilft den Studierenden, Beruf, Familie, Eigenzeit und Studium besser aufeinander abzustimmen. Die Studierenden haben mehr Zeit, um ihre erste Beratungspraxis aufzubauen und diese Erfahrung als Lerngegenstand in den Studiengang einzubringen. Sie haben auch mehr Luft, um an Aspekten ihrer personalen und sozialen Kompetenz zu arbeiten.

Freiraum für die Setzung von individuellen inhaltlichen Akzenten wird durch das Wahlmodul geschaffen. Es gibt den Studierenden auch die Möglichkeit, einen Zertifikatslehrgang (CAS) in den Studiengang einzubringen.

Die Unterstützung beim Ausarbeiten der praxisbezogenen Diplomarbeit, die neu Masterthesis genannt wird, wurde ausgebaut. Das Mastermodul beginnt mit einer Auftaktwerkstatt und bietet eine individuelle Begleitung für die Ausarbeitung der Arbeit an.



Herr Hellmann, Sie haben schon fünf Studiengänge in Supervision, Coaching und Mediation durchgeführt. Was ist mit dem bisher Bewährten passiert?

Da können Sie auch Heidi Marti-Lienhard fragen. Sie war mehrere Jahre lang Gruppen-Lehrsupervisorin in früheren Studiengängen und auch Dozentin für einige Themen. Wir beide - Heidi Marti und ich - wissen, was die Studierenden besonders geschätzt haben, und das haben wir mit dem zwei Jahre dauernden Kernstudium erhalten.

Inhaltlich ist die Synthese eines breiten fachlichen Hintergrundes zu erwähnen - gemeint sind systemtheoretische Ansätze, Konzepte der Humanistischen Psychologie und der modernen Psychoanalyse. Der systematische Aufbau des Curriculums, in welchem wir Komplexität schrittweise ausbauen, hat sich bewährt. Es war uns auch wichtig, eine kontinuierliche Lerngemeinschaft zu erhalten. Sie bildet die Grundlage für eine lebendige Lernkultur, in der fachliches Wissen, praktische Modelle, konkretes Verhalten, Selbsterfahrung und übergeordnete Reflexionen prozessorientiert verknüpft werden.

Die Ausrichtung auf anzustrebende Qualitäten, die von Beginn an schriftlich formuliert sind, bleibt ebenfalls erhalten (siehe Qualitätenraster).

Last but not least: Auch der wiederkehrende Freitag als Studientag (ca. 22 Mal pro Jahr) bleibt.



Die Dauer des Studiums erhöht sich von bisher zwei Jahren auf dreieinhalb Jahre. Wo wurden Aufstockungen vorgenommen? Und weshalb?

Nicht Aufstockungen, sondern die Ausdehnung der Zeit steht im Vordergrund. Sie gibt den Studierenden Luft für die Bewältigung aller Anforderungen. Die Studientage, die erforderliche Lernpraxis, die Einzellehrsupervisionen und die Leistungsnachweise müssen nicht mehr innerhalb von zwei Jahren absolviert werden. Die Masterthesis wird nicht mehr im letzten Semester parallel zu den Studientagen erstellt, sondern erst nach dem Abschluss des Curriculums. Diese zusätzliche Luft wird integrative Lernprozesse fördern.

Die Anzahl der Studientage ist bloss um wenige Tage gestiegen. Die Aufstockung ergibt sich aus der Unterstützung im Rahmen des Mastermoduls und aus einem zusätzlichen Tag im Rahmen des Kernstudiums.



Beim Wahlmodul können die Studierenden einen CAS aus einer grossen Palette wählen. Was ist möglich und wie wird sich die Studienleitung verhalten?

Die Bandbreite ist gross. Der gewählte CAS muss von Bedeutung für Supervision, Coaching und Mediation sein und die Inhalte des Kernstudiums ergänzen.

Die HSSAZ bietet einige CAS an, die in Frage kommen, beispielsweise CAS Mediation oder CAS Organisationen verstehen und entwickeln. Es ist auch möglich Zertifikatslehrgänge anderer Fachhochschulen im Umfang von 15 ECTS Punkten zu absolvieren.

Die Studienleitung wird die genannten Kriterien prüfen und die Studierenden in der Entfaltung ihres individuellen Profils unterstützen.



Was unterscheidet die Masterthesis von den herkömmlichen Diplomarbeiten?

Zwei Anforderungen bleiben gleich: Die Darstellung und Reflexion eines Beratungsprozesses und die theoretische Erörterung von ausgewählten Themen bleiben bestehen.

Eine Anforderung kommt dazu. Die Studierenden formulieren Aussagen zum eigenen Beratungskonzept für Supervision, Coaching und Mediation.



Bisher waren zwei Männer, Jeremy Hellmann und Manfred Saile, die Leiter des Studienganges. Neu teilen sich die Co-Leitung Heidi Marti-Lienhard und Jeremy Hellmann. Welche Veränderungen für Teilnehmende und Dozierende kann dies bezüglich der Genderfrage bringen?

Rollenvorbilder sind bedeutsam. Die Auswahl weitet sich für die Studierenden aus. Wir hoffen, dass es uns gelingt, einen positiven Beitrag zur Weiterentwicklung einer konstruktiven und gleichberechtigten Kooperation zwischen Frauen und Männern zu leisten.



Gemäss der Ausschreibung richtet sich der Studiengang an «Fachleute aus den Bereichen Soziale Arbeit, Bildung, Gesundheit, Kultur und Kirche». Weshalb ist der Bereich der Wirtschaft nicht aufgeführt?

Wir sind offen für alle Bereiche. Vereinzelt haben wir Studierende aus der Wirtschaft. Sie haben die für sie eher fremde Kultur aus den oben genannten Bereichen als enormen Gewinn bezeichnet. Es gehört jedoch zu unserem Profil, dass wir uns in erster Linie auf die Bedürfnisse der agogischen Berufe - Berufe, die sich mit der Betreuung, Begleitung und Bildung von Menschen befassen - ausrichten. Und das wollen wir nicht verschleiern.



In der neuen Studienbeschreibung ist auch die Rede von Lesegruppen und einer E-Learning-Plattform. Wozu sind diese Gefässe gedacht und auf welche Art werden sie in den Unterricht einbezogen?

Beide Gefässe geben die Möglichkeit, sich fachlich und erfahrungsbezogen auszutauschen. In den Lesegruppen können Studierende Themen des Unterrichts gemäss eigenen Interessen vertiefen. Auf der E-Learning-Plattform können Dozierende und Studierende Lernprodukte und Instrumente austauschen.



In der Beschreibung des Nachdiplomstudiengangs geht die Studienleitung davon aus, dass 1½ Tage pro Woche für das Studium reserviert werden müssen. Ist dies realistisch mit Lektüre, Speisen der E-Learning-Plattform, Lern- und Einzellehrsupervisionen, Leistungsnachweisen?

Ja. Pro Jahr sind rund 25 Tage mit Unterricht belegt. Im Mastermodul, das rund 6 Monate dauert, ist ein Umfang von 4 Unterrichtstagen einzuplanen. Es bleibt genug Zeit frei für die Erfüllung aller anderen Anforderungen.



In welchem Preissegment bewegt sich das MAS Supervision, Coaching und Mediation?

Im mittleren bis unteren Preissegment: Je nach Kosten des Wahlmoduls ist mit einem durchschnittlichen Tagespreis von CHF 330.00 bis 350.00 zu rechnen. Die 630 Kontaktstunden des Studiums entsprechen knapp 79 Tagen und ergeben 60 ECTS-Punkte.



Bis anhin war nach erfolgreich abgeschlossenem Studium der Titel «Supervisor BSO» erlaubt, neu nun auch «Coach BSO». Was bedeutet das?

Der BSO hat das 'Berufsbild Coach' im März 2005 eingeführt. Die Regeln für den Erwerb des Titels 'Coach BSO' wurden etwas später definiert. Die Absolventinnen und Absolventen unserer Studiengänge 2003-05 und 2005-07 sind berechtigt, beide Titel zu gebrauchen, weil die Studiengänge in genügendem Ausmass Coaching spezifische Themen beinhalten. Wer einen der früheren Studiengänge erfolgreich abgeschlossen hat, kann den Titel 'Coach BSO' erwerben, wenn seitdem fünf Coaching relevante Fortbildungstage absolviert worden sind.



Können Absolventinnen und Absolventen der bisherigen Weiterbildungen in Supervision den eidgenössisch anerkannten Titel «Master of Advanced Studies in Supervision, Coaching and Mediation» nachträglich beantragen? Und wenn ja, zu welchen Bedingungen?

Wir haben uns früh auf die kommenden Entwicklungen eingestellt. Deshalb können alle Studierenden, welche in den Jahren 2003 und 2005 abgeschlossen haben, den Antrag an uns stellen. Diese Möglichkeit ist denjenigen, die früher abgeschlossen haben, leider nicht gegeben.



Frau Marti, Herr Hellmann, ganz herzlichen Dank für dieses Interview.




Buchtipp von Heidi Marti-Lienhard

Wer etwas Grundsätzliches über die Supervision erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch Supervision von Astrid Schreyögg.


Buchtipp von Jeremy Hellmann

Im Bereich Coaching finde ich die Coaching-Praxis, herausgegeben von Werner Vogelauer ein methodisch anregendes Werk, wenn es um die Beratung von Führungskräften und Managern geht.

 

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