Alimentenhilfe

 

Ausbildung für Sachbearbeiterinnen und Sachbarbeiter in der Alimentenhilfe

Seit zehn Jahren wird jährlich die berufsbegleitende Ausbildung für Sachbearbeiter/innen in der Alimentenhilfe erfolgreich angeboten. Es ist schweizweit die einzige Ausbildung in dieser Art. Besonderes Gewicht wird darin auf den Theorie-Praxis-Transfer gelegt. Inhaltlich orientiert sich der Kurs an drei Schwerpunkten:

  • Er gibt einen Gesamtüberblick über die Rechtsgebiete, mit denen die Alimentenhilfe tangiert ist;
  • er führt in Beratungs- und Konfliktgespräche und deren Techniken ein;
  • schlussendlich vermittelt er die Mittel und Methoden für eine Vollstreckung der Ansprüche von Antragstellenden und Pflichtigen.

Die Ausbildung ist aus dem Leistungsangebot der sozialen Dienste von Gemeinden und Kantonen nicht mehr wegzudenken und wird auch vom Schweizerischen Verband für Alimentenfachleute SVA unterstützt.

www.infostelle.ch hat mit Rose Nigg, der Hauptverantwortlichen für die Ausbildung in der Alimentenhilfe, ein Gespräch geführt und legt im nachfolgenden Bericht ihre wichtigsten Aussagen dar.




Die Ausbildung für Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in der Alimentenhilfe beginnt am 21. August 2007. Anmeldungen werden von der Weiterbildung des Departements Soziale Arbeit entgegengenommen.



Vorgeschichte

Im Jahre 1982 ist im Kanton Zürich die Alimentenbevorschussung eingeführt worden, nachdem schon früher das Alimenteninkasso den einzelnen Kantonen beziehungsweise Gemeinden als expliziten Auftrag übertragen worden ist. Damit einher ging eine Sensibilisierung vor allem der betroffenen Antragsteller/innen und somit eine Zunahme der Fälle im Alimenteninkasso. Mitte der neunziger Jahre hat sich eine Arbeitsgruppe mit dem Bedarf und dem Konzept für eine diesbezügliche Ausbildung befasst und diese erstmals 1996 durchgeführt. Seit sieben Jahren ist die Ausbildung nun an der Hochschule für Soziale Arbeit Zürich angesiedelt mit Rose Nigg als Hauptverantwortliche für den Kurs. Neu wurde eine mündliche und schriftliche Prüfung eingeführt.


Zielpublikum, Angebot und Vernetzung

Der Kurs richtet sich an Sachbearbeiter/innen, die schon mindestens ein halbes Jahr in der Praxis des Alimentenhilfe (Inkasso und Bevorschussung) tätig sind. «Da der Kurs sehr praxisbezogen aufgebaut ist und wir oft mit eigenen Fallbeispielen arbeiten, scheint uns wichtig, dass ein Praxisfeld schon länger vorhanden ist», betont Rose Nigg. Die Teilnehmenden kommen aus der ganzen Deutschschweiz.

In der Ausbildung wird viel Zeit darauf verwendet, sowohl einen Gesamtüberblick über als auch einen vertieften Einblick in die verwandten Rechtsgebiete der Alimentenhilfe zu vermitteln. «Wir sind sogenannte „Schmalspurjurist/innen“», schmunzelt Rose Nigg. Das breite Wissen über relevante Rechtsgebiete sei sehr wichtig, um bei Antragsteller/innen und Pflichtigen zur Durchsetzung der jeweiligen Ansprüche zu kommen. Grossen Wert legen die Verantwortlichen des Kurses auch auf das Vermitteln von Handlungskompetenzen innerhalb konfliktträchtiger Situationen. Da das Alimenteninkasso in den wenigsten Fällen in entspannter Atmosphäre abläuft, ist die richtige Gesprächsführung bedeutend. Die Alimentenfachleute verstehen sich dabei als überparteilich und beraten sowohl Antragsteller/innen als auch Pflichtige in gleichem Masse.

Die Ausbildung ist zeitlich gedrängt. Theorieinputs und Diskussionen oder Fallbesprechungen aus praktischen Fragestellungen wechseln sich ab. Für eine hilfreiche Vor- oder Nachbereitung werden vermehrt kreative Methoden eingesetzt.


Die Ausbildung ist für viele Teilnehmende auch ein Ort der Vernetzung. Da die Alimentenhilfe oft ein einsamer Berufszweig ist, sind viele Fachleute froh, im Kurs die Möglichkeit des Austauschs nutzen zu können. Aus naheliegenden Gründen dient der Kurs und seine formellen sowie informellen Gefässe auch als Psychohygiene; ab und zu müssen Teilnehmende noch «kurz etwas loswerden » aus dem immer wieder problemgeprägten Alltagsfeld der Alimentenhilfe, bevor sie frisch in die Theorie einsteigen können.


Ausblick

Rose Nigg setzt sich, zusammen mit dem Berufsverband SVA dafür ein, dass die Akzeptanz der Ausbildung innerhalb der Arbeitsbetriebe erhöht werden kann. Damit verbunden ist auch die Lohnfrage: Die Ausbildung sollte in jedem Fall lohnwirksam werden. Dies wiederum kann dazu führen, dass vermehrt auch Männer als Sachbearbeiter innerhalb der Alimentenhilfe arbeiten und die Ausbildung absolvieren.

Politisch gesehen wünscht sich der Vorstand des SVA mit Rose Nigg als Präsidentin eine allgemeine Harmonisierung der Alimentenbevorschussung in der Schweiz. Auch eine Vereinheitlichung der Arbeitsweise mit Anspruchsberechtigten und Pflichtigen schwebt dem Verband vor. All dies würde die Ausbildung grundlegend erleichtern und könnte dazu führen, dass der Kurs schon bald vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie anerkannt wird.



Informationen für Direktbetroffene (Pflichtige und Antragsteller/innen) gibt es beim Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich, Alimentenhilfe.



Zusatzinformationen (zum Downloaden)
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